Schlagwort-Archive: Johannes Fischler

Von enkapsuliertem Koffein und eingekapselten Menschen

Ob nun 16 Sorten Designer Kaffe, 18 Kompositionen handgeschöpfte Schokolade oder 19  „sinnliche Variationen“ von Gourmet Popcorn: Die Vielfalt moderner Warenwelten verkauft uns vor allem eines, das Gefühl, eine Wahl zu haben. Dort, wo die multimediale Vernetzung uns täglich mit Ohnmacht und Unvermögen konfrontiert, ist es vor allem die Expertise im Kleinen, welche uns über globale Kontrollverluste hinwegtröstet. Der Boom an multioptionalen Warenwelten versinnbildlicht, wie sehr wir uns nach so etwas wie Entscheidungsspielraum sehnen. Plötzlich erwachsen aus ehemals harmlosen Konsumgütern ganze Universen für Eingeweihte. Das Sehen, Riechen, Schmecken, Spüren wird zum Erfahrungsraum einer Konsumgesellschaft. Diese Sinnesfülle vermittelt das Gefühl von Lebendigkeit, das Versinken in Sinnlichkeit wird zum wiedergefundenen Sinn.

Kein Wunder also wenn esoterische Erzeuger auf diesen Zug aufspringen:Essenzen_multioptional
32 Sorten Engelspray, 37 Gattungen Lichtkristalle oder gezählte 109 Variationen von Aura Soma Ölen: all das in jeder erdenklichen Kolorierung, Duftnote oder haptischen Ausführung. Sinn aus dem Überangebot der Reize, spirituelles Feeling als Ergebnis eindringlicher Ästhetik. Das Resultat ziert die Regale sowie Aufsteller heimischer Drogerien und Esoterikläden. Wer heutzutage beim „spirituellen Wachstum“ nicht mehr hintan stehen möchte, duscht seine seelischen Blockaden nun einfach weg. Eine delikate Selektion der 14 „Flower Shower Duschgels“ durchdringt mit ihren „Schwingungen (…) den gesamten menschlichen Organismus“ und betört nicht nur die Nase, sondern auch „Geist und Seele“.

mehr dazu im Buch

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Hard Core Esoterik

Die Esoterik, die ich meine …
umschreibt nicht unbedingt jene Welt der Wünschelruten, Wasserbelebung oder Mondphasenkultivierung. Schließlich wird hier immer noch, mal mehr, mal weniger, so etwas wie Verstand angesprochen. Natürlich erweisen sich die dahinterstehenden Weltsichten und Argumentationen bei näherer Betrachtung oft mehr als scheinlogisch, dennoch denken die Praktizierenden hier nach wie vor irgendwie mit. Der Vorwurf des Unwissens steht natürlich noch im Raum, doch dieser relativiert sich in Anbetracht einer hyperkomplexen Welt. Wer kann und will schon immer alles wissen?
Nein, die Esoterik, die ich meine, besticht durch eine ganz andere Wirkmacht.

Käufliche Liebe

Käufliche Liebe

Die Rede ist vom magischen Sog abstrusester Entwürfe. Verbunden mit einer fahrplanmäßig inszenierten Dramaturgie ziehen diese ihre Opfer in einen verhängnisvollen Bann und lassen sie nicht mehr los. Das Resultat prägt die eigentümliche Ästhetik esoterischer „Fachzeitschriften“. Sie zeugt vom vollständigen Aufgehen in fiktiven Wirklichkeiten oder schlicht von Absorption. Bilder und Figuren wie wir sie eher aus Stephen-King-Verfilmungen kennen. Auch die Verkaufsstände von Bewussteinsmessen rufen tiefste Mulmigkeit hervor. Was ist denn hier los? Tausend Fragezeichen und verstörtes Kopfschütteln. Und wenn man sich nur ein klein wenig mit der deutschen Geschichtsschreibung auseinandergesetzt hat, dann wird’s bei den da wie dort plakatierten Symboliken nicht besser. Bedenklichste Ideologien, neu und kuschelig verpackt. Nettigkeit, wie sie herzloser nicht sein könnte. Ich spreche von Hard-Core Esoterik – um diese geht es hier.
Was das nun genau sein soll, das erfahren sie in diesem Buch.

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Ab wann sich der Spaß aufhört?

Wohl spätestens bei Zitaten wie diesen:

Erzengel Ariel

Erzengel Ariel

Erzengel Ariel in einem esoterischen Standardwerk für werdende Lichtarbeiter.

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